 Multikulti bringt Think
Tank
 Vorteile gegenüber der Konkurrenz
 Der internationale Charakter
des Unternehmen lässt Abwerbeversuche wirkungslos abprallen
|
José Vallejo aus Mexiko, der Russe Ales Shyshko,
Vikas Chhabra aus New Delhi und Arun Chaudhuri:
Die IT-Spezialisten von Think Tank | Von Nicolas Kellner
München -
Abwerben zwecklos: Multikulti in der neuen Wirtschaft hält zusammen.
Wie etwa bei Think Tank in München, einem Projektberater für
Internetlösungen von Großunternehmen, bei dem über 50 Prozent der
Mitarbeiter aus dem Ausland kommen: aus Russland, Tunesien, Indien
und Mexiko. "Das ist unser Geheimnis und Vorteil", sagt
Geschäftsführer Christian Heller,
"deshalb gibt es uns im Gegensatz zu manch anderen auch schon seit
fünf Jahren."
Die Gefahr beziehungsweise Verlockung der Abwerbung ist jedoch
groß, wenn die besten Programmierer, Entwickler und Projektleiter
vor Ort bei den Kunden eingesetzt werden. Aber nicht nur Gehalt,
freie Tage oder Zusatzhonorare zählen, vielmehr sind es der
Teamgeist und das internationale Ambiente bei Think Tank, die im
vierten Stock in der Lindwurmstraße in München die Fluktuationsrate
sehr niedrig halten. "Wer einmal kommt, bleibt auch hier", bestätigt
Heller. Das
Kommen und Gehen in den Räumen der Denkfabrik bezieht sich
bestenfalls auf die Tages- oder Nachtzeit. "Kernarbeitszeit ist zehn
bis siebzehn Uhr", meint der Firmenboss gut gelaunt. Währenddessen
verabschiedet sich gerade Achmed wie selbstverständlich diesmal
etwas früher am Nachmittag. Der junge Tunesier ist
Informatikstudent, 21 Jahre alt und seit Anfang des Jahres dabei.
Zusammen mit einem deutschen und russischen Kollegen tüfteln der
Programmierer an einer Datenbanklösung für ein Industrieunternehmen
aus der Elektronikbranche. Die Verständigung erfolgt in Englisch,
die gemeinsame Antriebsfeder normalerweise bis tief in die Nacht
hinein ist die Liebe zum Detail. Projektleiterin ist Monika Günther,
deutschstämmig, aber geboren und aufgewachsen in Südafrika. Vor gut
einem Jahr kam die Informatikerin nach ihrem Wechsel von der
Südspitze Afrikas an die Isar. Das "Hardcore-Programmieren" sei
meist Männersache, für Design und Gestaltung im virtuellen Raum sind
jedoch die Webdamen verantwortlich, sagt Günther. Wenn der Chef
geht, und das ist oft genug spät am Abend, sitzt das buntgemischte
Team aus mehreren Nationen häufig noch vor den PCs. Programmiert
wird hier an einer globalen Internetseite für einen europaweit
agierenden Auftraggeber, unter deren einheitlichem Web-Dach die
bislang verschiedenen mehrsprachigen Länderauftritte ins Netz
gebracht werden sollen. Dort an einem neuen Projekt, das die Themen
Internet und Fernsehen mittels Settop-Boxen näher zusammenbringen
soll. Daran sind acht Leute beteiligt: vier Deutsche, ein Tunesier
und drei Russen. Ales Shyshko kommt aus Minsk und hat dort sechs
Jahre lang Software für eine Bank erstellt. Die Arbeit hier sei viel
abwechslungsreicher, erzählt der 33-Jährige ruhig, in gebrochenen,
aber verständlichen Deutsch. Er arbeite so intensiv und lange, wie
das laufende Projekt es halt erfordere. Dabei bleibt wenig Zeit,
eine Wohnung zu finden. Doch dafür gibt es Manuela Braun, ein
Allroundgeist in dem 35-Mitarbeiter-Unternehmen. Sie ist dafür
verantwortlich, dass keine personellen oder bürokratischen Engpässe
auftreten - etwa durch auslaufende Arbeitserlaubnisse oder nicht
rechtzeitig verlängerte Aufenthaltsgenehmigungen. Drei Mitarbeiter
wurden bislang über das Green-Card-Programm der Bundesregierung von
ihr angeheuert. Die anderen ausländischen Beschäftigten kämen meist
durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu dem Münchner Unternehmen. "In
Deutschland erfahrene Programmierer zu bekommen ist schwierig", sagt
Heller, im
Ausland stünden die Chancen besser. Unterstützung erhält Think Tank
auch von Arun Chaudhuri, einem Deutschen indischer Abstammung.
Chaudhuri hat sich mit seiner IT-Vermittlung Mindworks-Group im
selben Haus auf Internetexperten und Programmierer aus Indien
spezialisiert.
Multikulti in der neuen Wirtschaft bedeutet mehr als nur
Sprachenvielfalt, unterschiedliche Hautfarbe oder verschiedene
Lebensgeschichten. "Das Aufeinanderprallen der Kulturen ist das
Spannende", meint Chergui Mohamed, ebenfalls Tunesier und
Projektmanager bei Think Tank. Gerade das Multikulturelle mache die
Stärke aus, da fließe viel Wissen und Erfahrung hinein. Alleine in
München gebe es 15 Programmierer aus Tunesien, sagt Mohamed,
deutschlandweit seien es rund 50. Es gibt tunesische
Internet-Stammtische an der Isar und es existiert auch eine eigene
Web-Firma von ihm in Tunis. "Wir wollen dort mit unserem hier
erworbenen Wissen helfen, aber auch Brücken für jungen Nachwuchs
zwischen München und Tunis bauen", sagt Mohamed.
Zur
aktuellen Channel-Übersicht
Tagesübersicht
| |